

bio
Catalina Rueda ist eine kolumbianisch-spanische Komponistin, Sängerin und Chorleiterin mit Sitz in Hamburg. Sie studierte Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Manfred Stahnke und Gordon Kampe und schloss mit Bachelor und Master ab.
Ihre Werke wurden unter anderem vom KNM Berlin, AsianArt Ensemble, den Duisburger Philharmonikern und den Kölner Vokalsolisten aufgeführt sowie an der Staatsoper Stuttgart und am Landestheater Tübingen. Sie waren bei Festivals wie Acht Brücken Köln, KNM Contemporaries und Blurred Edges zu hören. Zu ihren künstlerischen Kooperationspartner*innen gehören Lisa Pottstock, Jan Wegmann, Kris Kuldkepp, Jeanne Louët, Dalton Harris, und Vittoria Quartararo.
Rueda erhielt den zweiten Preis des Acht-Brücken-Kompositionswettbewerbs und wurde für das gemeinsam mit Lisa Pottstock entwickelte Musiktheater Melusine. Was machst du am Samstag? mit dem Musiktheaterpreis der Reinhold Otto Mayer Stiftung ausgezeichnet
ü b e r ·· m i c h
Ich bin eine kolumbianisch-spanische Komponistin, Sängerin und Chorleiterin und lebe in Hamburg. Meine Arbeit ist vielfältig.
In meiner kompositorischen Arbeit erforsche ich die Möglichkeiten von Tonalität und Rhythmus in einem transkulturellen Raum. Einflüsse unterschiedlicher Kulturen fließen in meine Musik ein. Mich interessiert, wie Töne sich zueinander beziehen: wann Dissonanz entsteht, wann sie selbst zur Farbe wird und wann sie nach Auflösung verlangt.
Beim Komponieren suche ich nach Formen für unterschiedliche musikalische Gedanken. Musik kann ein Raum sein, in dem wie in einem Puzzle vieles gleichzeitig da sein darf, ohne sich auszuschließen. Sie kann eine Erzählung sein, ein Gefühl vermitteln oder einen inneren, sinnlichen Zustand hörbar machen. Manchmal verbinden sich diese Prozesse, manchmal führen sie zu unterschiedlichen Stücken. Auch Musik als Ritual ist eine wiederkehrende Idee meiner Kompositionen. Wiederholungen und Puls spielen dabei eine wichtige Rolle.
Mit Jan Wegmann arbeite ich in gemeinsamer Autor*innenschaft. Wir entwickeln Stücke aus Texten, Elektronik, improvisierter Musik und Komposition. Ich singe, schreibe Texte, improvisiere und spiele Keyboard. Jan spielt Modularsynthesizer und Klarinette, arbeitet mit Elektronik, spricht und singt. Unsere Musik bewegt sich zwischen Pop, Free Impro, Elektronik, Alternative, Drone und Gedicht. Unsere Texte handeln von Widersprüchen: von der Suche nach einer eigenen Identität, unseren Möglichkeiten, uns zu entfalten, unserer Abhängigkeit voneinander und unserer Fähigkeit zu lieben und zu zerstören. Die Ambivalenz zwischen Freiheit und Festlegung prägt auch das Zusammenspiel von Komposition und Improvisation.
In interdisziplinären Projekten entwickle ich gemeinsam mit anderen Konzepte für das Musiktheater. Je nachdem, was wir gemeinsam ausdrücken möchten, verändert sich auch die Rolle der Musik. Das Zusammenspiel von Musik, Theater und Text wird mit jedem Konzept neu erfunden. Dabei verbinden sich komponierte Teile mit Musik, die sich in der Zusammenarbeit entwickelt. Eine wichtige Partnerin in diesen Arbeiten ist die Musiktheater-regisseurin und Autorin Lisa Pottstock.
Hier beschäftigen mich auch die Beziehungen zwischen parallelen Welten: zwischen dem Gesagten und dem Gemachten, zwischen dem, was wir bewusst ausdrücken, und dem, was wir unbewusst empfinden. Diese Ebenen sind gleichzeitig anwesend, auch wenn sie einander widersprechen.
Das Nebeneinander unterschiedlicher Welten ist auch Teil meiner eigenen Geschichte. Meine Familie hat mehrere Migrationsgeschichten durchlebt, und ich selbst bin aus Kolumbien nach Deutschland gekommen. Aus diesen Erfahrungen entstehen auch meine Fragen nach Zugehörigkeit. Angesichts eines erstarkenden Nationalismus beschäftigt mich, was es bedeutet, einen Ort zu haben, an dem man sich zugehörig fühlt, und wer dort dazugehören darf. Wie entsteht Verantwortung füreinander, auch wenn wir nicht zusammengehören? Ich suche nach Möglichkeiten, Unterschiede innerhalb einer Gemeinschaft zuzulassen, und frage mich dabei auch nach meiner eigenen Rolle als Künstlerin.
Gemeinsam mit Lisa Pottstock leite ich einen Chor. Dort singe ich auch selbst und komponiere und arrangiere Musik für die Gruppe. In dieser gemeinsamen musikalischen Praxis versuchen wir, auch unseren politischen und philosophischen Fragen nachzugehen.